Jedes Jahr, tief im Wald, blüht ein seltsamer Baum — einer, dessen Frucht niemand je gekostet hat.
Seine Oberfläche ist mit feinen Härchen bedeckt, und aus seinem Inneren treten leuchtend rote Samen hervor,
Die fast lebendig wirken.
Der Legende nach enthält jeder Samen eine Seele — jemand, der einst die Frucht ansah, ohne zu wissen, dass sein Blick sein Schicksal besiegelte.
Niemand weiß, wer diesen Baum gepflanzt hat, aber diejenigen, die sich ihm näherten, behaupten, ihn atmen gehört
zu haben…
Und durch das Flüstern des Windes hörte man eine schwache Stimme murmeln: „Berühre mich nicht.“ 🌬️🌺

Im feuchten Wald, wo der Nebel nie wich und Sonnenlicht kaum die Blätter berührte, lebte ein alter Botaniker namens Anton.
Er hatte sein ganzes Leben dem Studium unbekannter Pflanzen gewidmet.
Doch an diesem Tag stand er kurz davor, eine Entdeckung zu machen, die alles verändern würde. 🌫️
Anton fand ihn in einem verlassenen Tal, wo der Boden dunkel war — fast schwarz.
Aus der Mitte erhob sich ein Baum, wie er in keinem Buch beschrieben wurde.
Seine Äste wanden sich seltsam, und das Auffälligste war seine Frucht.
Rund, mit Flaum bedeckt und gerade weit genug geöffnet, um ein rotes
Leuchten im Inneren zu zeigen — wie Blut.
Er näherte sich langsam, vorsichtig.

Ein schwacher Duft ging von der Frucht aus — süß, aber erstickend.
Als er die Hand ausstreckte, hörte er ein leises Flüstern, als würde etwas darin atmen.
Anton zog die Hand zurück, sein Herz pochte heftig.
Er versuchte, sich einzureden, es sei eine Illusion, doch tief in seinem Inneren spürte er es — die Frucht war lebendig. 🌰
In jener Nacht konnte er nicht schlafen. Das Bild der leuchtenden Frucht verfolgte ihn.
Am Morgen überwog die Neugier die Angst. Er nahm seine Werkzeuge und kehrte in den Wald zurück.
Diesmal beschloss er, sie zu öffnen.

Mit einem kleinen Messer schnitt er in die Frucht — und in genau diesem Moment rollte ein roter Samen heraus,
warm wie lebendes Fleisch.
Der Samen bewegte sich.
Anton erstarrte. Er drehte sich leicht — als hätte er ein Auge.
Als er sein Spiegelbild in der Metallklinge sah, keuchte er; es war, als würde ihn etwas im Inneren anstarren.
Dann erhob sich plötzlich der Wind.
Die Äste des Baumes begannen zu schwanken, und aus jeder Frucht trat ein roter Samen hervor — einer nach dem anderen. 🌪️
Sie breiteten sich über den Boden aus, und wo immer sie landeten, entstanden neue Triebe — blass, atmend und seltsam menschenähnlich.

Anton versuchte zu fliehen, doch die Erde klammerte sich an seine Füße und hielt ihn fest.
Er fiel, und das Letzte, was er sah, war ein Samen, der auf ihn zukroch — glänzend, nass und mit unheimlich menschlichen Augen.
Tage später, als Dorfbewohner nach ihm suchten, fanden sie nur sein Notizbuch.
Die letzte Zeile lautete:

„Dieser Baum wächst nicht aus Erde. Er wächst aus Seelen.“ 🍃 Seit diesem Tag ist der Weg in den Wald versiegelt.
Doch an windigen Nächten sagen die Bewohner in der Nähe, dass sie immer noch ein Flüstern zwischen den Bäumen hören — eine Warnung an jeden, der versucht, sich dem Unbekannten zu nähern:
„Berühre die roten Samen nicht… sie werden sich an dich erinnern.“ 🌑