Man sagt, wenn ein Mensch einen Teil seines Körpers verliert, entdeckt seine Seele eine verborgene Kraft,
die sie zuvor nie gekannt hatte.
Lange Zeit glaubte ich, ich könnte wieder fliegen — selbst ohne einen vollständigen Flügel.
Doch im Laufe der Jahre erkannte ich, dass mein Flügel nie vollständig heilen würde.
Er erinnert mich jeden Tag daran, woher ich komme und was ich durchgemacht habe.
Aber dieser unvollständige Flügel hat mich gelehrt, vollkommen zu leben — ohne falsche Hoffnungen, ohne oberflächliche Freude.
Mein Flügel tut weh, dennoch lächle ich — weil ich noch atme.
Und das, wahrhaftig, ist das größte Wunder. 🕊️

Manchmal fühlt es sich an, als hätte sich alles verändert.
Ich wache morgens auf, und wenn ich meinen Arm bewege, spüre ich den vertrauten Schmerz, der zu meinem
ständigen Begleiter geworden ist.
Früher habe ich dagegen gekämpft — ich wurde wütend, weinte und fragte Gott: „Warum ich?“
Doch jetzt akzeptiere ich ihn einfach — so, wie man Regen oder Wind akzeptiert.
Wenn ein Mensch lange genug mit Schmerz lebt, wird er friedlich.

Nicht, weil er aufhört zu fühlen, sondern weil er lernt, mit ihm zu leben.
Ich habe keine Angst mehr vor meinem Flügel.
Es ist eine Geschichte, die auf meiner Haut geschrieben steht.
Im Laufe der Jahre habe ich begonnen, Dinge wahrzunehmen, die ich früher ignorierte.
Das Sonnenlicht am Fenster, der Duft von Kaffee, das stille Lächeln von Fremden.
Und jedes Mal, wenn der Wind an mir vorbeizieht, spüre ich, wie er meinen Flügel streift — als würde er flüstern, dass ich noch hier bin.
Meine Krankheit ist nie ganz verschwunden.
Die Ärzte sagen, ich müsse sie als Teil meines Lebens akzeptieren.

Anfangs tat es weh, das zu hören.
Doch später erkannte ich — vielleicht war es so gedacht.
Das Leben verlangt keine Perfektion.
Es verlangt nur, dass wir präsent sind.
Und ich bin präsent.
Selbst wenn ich Schmerz habe, lebe ich.
Manchmal gehe ich spazieren — nur um den Atem des Windes zu spüren.

Manchmal sitze ich schweigend — um die Schläge meines Herzens zu hören.
Dieses Herzklopfen erinnert mich daran, dass immer noch etwas in mir ist, das nicht aufgibt.
Die Menschen sehen oft mit Mitleid auf mich.
Ich nehme es ihnen nicht übel.
Aber könnten sie in mich hineinsehen, würden sie keine Schwäche sehen, sondern Stärke.
Ja, ich bin unvollständig — aber diese Unvollständigkeit hat mich gelehrt, ganz zu leben.

Ich warte nicht mehr auf den Tag, an dem alles wieder gut wird.
Ich lebe jetzt — mit diesem Flügel, diesem Schmerz, diesem Lächeln.
Und jeden Morgen, wenn die Sonne wieder aufgeht, sage ich zu mir:
„Ich atme noch.
Und das ist genug.“
Diese Worte sind mein tägliches Gebet geworden.
Ich weiß nicht, ob ich jemals geheilt werde.

Aber ich weiß, dass meine Seele bereits gelernt hat zu fliegen — auch wenn mein Körper es nicht kann.
Und wenn die Welt mich eines Tages fragt, warum ich noch lächle,
werde ich sagen — weil ich das Leben in der Tiefe des Schmerzes gefunden habe.
Dort, wo Flügel zerbrochen sind,
werden die stärksten Flüge geboren. 🕊️