Viele Jahre lang glaubte ich, die dunkle, schwere Narbe in meinem Gesicht würde mir nur Schmerz bringen.
Sie zog jedes Mal Blicke auf sich, wenn ich das Haus verließ.
Die Leute starrten mich lange an und versuchten zu ergründen, welche Geschichte sich auf meiner Haut verbarg.
Doch das Leben führte mich auf einen Weg, den niemand hätte vorhersehen können.
Im Laufe der Jahre unterzog ich mich Dutzenden von Operationen.
Es waren viele – schmerzhaft, erschöpfend, manchmal beängstigend, manchmal hoffnungsvoll.
Jede Operation veränderte nicht nur mein Gesicht, sondern auch etwas in mir.
Meine Haut formte sich langsam neu, wurde weicher, verwandelte sich. Doch sie verlor nie die Geschichte, die in ihr eingraviert war.
Heute lebe ich mit einem Gesicht, das anders ist, aber ganz und gar meins.
Es ist das Ergebnis meines Kampfes, meiner Stärke und meines unerschütterlichen Willens.
Und ich bin sicher, dass viele den gleichen Weg gegangen sind oder gehen, und meine Geschichte wird ihnen Kraft geben, weiterzumachen.

Manchmal sitze ich vor dem Spiegel und versuche mich daran zu erinnern, was für ein Kind ich war, als mir die Welt noch unendlich groß vorkam.
Ich betrachte meine alten Kinderfotos und versuche mich daran zu erinnern, wann ich mich zum ersten Mal so akzeptiert habe, wie ich für den Rest meines Lebens sein würde.
Eines meiner allerersten Fotos ist das, das Sie in meinen Händen sehen – ein kleines Mädchen mit tiefen, dunklen Ringen um die Augen.
Damals verstand ich nicht, dass dies der Anfang meiner Geschichte war. Der Beginn meines „zusätzlichen Herzschlags“.
Ich wurde frühmorgens geboren, gerade als die Sonne aufging.
Als die Ärzte mein Gesicht zum ersten Mal sahen, verstummten sie.
Meine Mutter sagt, diese Stille habe sich wie eine Mischung aus Angst und Verwirrung angefühlt.
Sie sagten nur ein Wort: „Einzigartig.“

Mir war sehr früh klar, dass mich dieses Wort begleiten würde.
Wenn ich nach draußen ging, sahen mich die Leute oft lange an.
Manche lächelten, manche waren verwirrt, und Kinder fragten immer ganz ehrlich: „Mama, warum ist das Mädchen bemalt?“
Ich lächelte oft zurück und stellte mir vor, dass ich vielleicht wirklich wie eine kleine Comicfigur aussah.
Oder vielleicht trug ich jeden Tag eine unsichtbare „Tapferkeitsmaske“.
Meine Mutter wiederholte immer wieder dieselben Worte: „Du wirst deine eigene Geschichte schreiben.“
Diese Worte begleiteten mich durch meine ganze Kindheit.

Im Laufe der Jahre veränderte sich mein Muttermal, wurde dunkler und dann wieder heller.
Ich musste viele Operationen über mich ergehen lassen. Sie waren nicht nur Behandlungen.
Sie waren ein Weg zu dem Menschen, der ich werden würde.
Von Operation zu Operation veränderte sich meine Haut langsam.
Ich wuchs schneller auf als andere Kinder. Ich lernte, Schmerzen zu überwinden, zu warten, durchzuhalten.
Manchmal dachte ich, ich würde es nicht schaffen, aber meine Mutter sagte immer:
„Das ist die Farbe deiner Stärke, Luna.“ Ich begann, mich selbst zu zeichnen.

Zuerst war es ein Spiel, dann wurde es meine tiefste Sprache.
In jeder Zeichnung malte ich die Striche größer, mal weicher.
Es war meine Geschichte auf Papier. Ich spürte, wenn ich sie zeichnen konnte, konnte ich sie auch annehmen.
Eines meiner Kinderfotos stammt von dem Tag, an dem ich eine meiner Zeichnungen in den Händen hielt.
An diesem Tag fühlte ich mich zum ersten Mal stark. Meine Geschichte drehte sich nie nur um die Behandlungen. Ich habe eine Schwester – Laura.
Sie war mein Schutzschild, meine Partnerin und manchmal meine ganze Welt.
In der Schule, auf dem Schulhof, auf dem Spielplatz – sie war immer an meiner Seite.

Als mich einmal ein Mädchen hänseln wollte, trat Laura vor und sagte:
„Sie ist meine Schwester, und sie ist stärker, als du denkst.“
An diesem Tag begriff ich, dass meine Geschichte nicht nur meine war.
Sie gehörte auch denen, die mich liebten.
Einer der lustigsten Tage meiner Kindheit ist der, an dem ich mit Spaghetti und Spider-Man in der Hand auf einem Stuhl saß.
Ich pflegte meine „schwarze Maske“ damit zu rechtfertigen, dass Spider-Man ja auch eine Maske trug.

Meine Mutter lachte, dann weinte sie – diesmal vor Freude.
Ich wuchs weiter und lernte, das anzunehmen, was ich hatte.
Oft fragten mich die Leute: „Hast du keine Angst?“ Ich lächelte immer.
„Ich habe so lange mit dieser Frage gelebt, dass sie nur noch eine weitere Zeile in meiner Geschichte geworden ist.“
Ich lernte, nicht auf die Gesichter der Menschen zu schauen, sondern in ihre Augen.
Mir wurde klar, dassAkzeptanz beginnt dort, wo die Angst endet. Ich bin noch jung. Ich erlebe noch Veränderungen.

Ich bewältige immer noch die schwereren Tage. Aber eines weiß ich jeden Tag: Mein Gesicht erzählt meine Geschichte.
Eine Geschichte von Kampf, Narben, Stärke, Liebe und unendlichem Wachstum.
Und ich würde sie niemals ändern. Sie wurde zu meinem Sieg.
Mein Beweis dafür, dass Einzigartigkeit immer siegt. Und hier bin ich – Luna Fenner.
Ein kleines Mädchen mit einer unendlich großen Geschichte. Ein Mädchen, dessen Gesicht mehr ist als nur eine Narbe.
Es ist der Weg, den ich mit Stärke und Zuversicht gegangen bin. Und dieser Weg hat mich zu dem gemacht, der ich heute bin.